#23
A DAY TO REMEMBER

Jeder, der schon ein wenig länger angelt, wird sie kennen – diese Tage am Wasser, an denen ganz unverhofft etwas passiert, was den Angel-Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

Von einem dieser Tage möchte ich euch heute berichten, denn für mich war er der bisher spannendste Meerforellen-Angeltag meines Lebens – und der begann mit einem eigentlich ganz bescheidenen Vorsatz:

Ich wollte das schöne Wetter nutzen und mir ein oder zwei Hornhechte für die Küche fangen, um ein neues Rezept auszuprobieren.

Da Mattis leider verhindert war, machte ich mich alleine auf den Weg an die dänische Küste.
Im Vorwege hatte ich mir, wie so oft schon, bei Google maps einen schönen Spot ausgesucht, wo der durchaus kräftige Wind leicht auflandig kam und den Uferbereich deutlich eintrübte.

Ganz zufrieden war ich mit meiner Spot-Wahl bezüglich der Hornhecht-Pirsch allerdings nicht, denn oft machen sich die liebestollen Hornis an der Wasseroberfläche bemerkbar, was die Fangchancen dann natürlich deutlich erhöht. Bei den Wellen und dem angetrübten Wasser schwand nun aber schnell die Hoffnung auf ein sight fishing dieser Art…

Da ich diesen Spot aber kannte und trotzdem ein gutes Gefühl hatte, begann ich den Grenzbereich zwischen dem stark angetrübten Uferbereich und dem Übergang zum tieferen Wasser gezielt mit der Schwimmschnur und einer kleinen Polar Magnus abzufischen.

Ich genoss das wunderbare Wetter, die leicht kühlende auflandige Brise und schaute entspannt den zahlreichen Segelschiffe hinterher, die idyllisch auf der Förde dahin schipperten.

Nachdem ich etwa 45 Minuten gefischt hatte und noch keinerlei Kontakt zu verzeichnen war, begann ich ein wenig an meiner Taktik zu zweifeln. Wie erwartet hatte ich bisher auch noch keinerlei Aktivität an der Oberfläche ausmachen können – sollten die Fische heute also eventuell etwas tiefer stehen?
Bei den Wellen und der knallenden Sonne könnte das durchaus der Fall sein – die Trübung müsste dabei aber eigentlich durchaus dafür sorgen, dass die Fische auch am Tage im ufernahen Bereich unterwegs sind.

Ich entschloss mich also, die Fliege nach dem Auswerfen bewusst absinken zu lassen, um sie so tief zu führen, wie es die Schwimmschnur zuließ.

Nach einiger Zeit spürte ich den ersten zaghaften Anfasser und ein länglicher Schwall hinter meiner Fliege entlarvte den Angreifer zweifellos als Hornhecht. Leider hing er nicht und ich entschloss mich, weiterhin die „Absink-Methode“ zu verfolgen.
Einige Würfe später gab es dann den nächsten Biss, aber auch der nächste Hornhecht hing nicht.

Also entschloss ich mich, die Polar Magnus gegen einen kleineren Kobberbassen auszutauschen – eventuell würde dieser ja besser im gezahnten Schnabel Halt finden können.

Bereits der übernächste Wurf brachte den nächsten Biss – wieder war es aber nur ein leichter Anfasser und langsam wurde es mir zu bunt…

Ich ging zurück an Land und wechselte die schwimmende Schnur gegen die Intermediate aus, um noch ein wenig tiefer fischen zu können.

Der Bereich, wo die Trübung in klareres Wasser überging, lag jetzt auch noch erreichbarer in Wurfweite und ich war guter Dinge, dass „eine Etage tiefer“ mit mehr Fisch zu rechnen sein müsste.

Ich schlich mich also wieder ins Wasser und machte einen langen Wurf an die Stelle, wo ich zuvor den zaghaften Anfasser bekam. Nach Strecken der Schnur und nachfolgender kurzen Absinkphase begann ich den Kobberbassen #10 mit kurzen Pausen einzustrippen.

Bereits die zweite Pause wurde mit dem so heißgeliebten ruckartigen Zug vom anderen Ende beantwortet!

Dass hier kein Hornhecht angebissen hatte war mir sofort klar. Nach kurzem Hin und Her konnte ich eine kleine, kräftige Meerforelle von 42 cm landen. Gut, das war eigentlich nicht der „Zielfisch“, aber zur Not gibt es zum Abendbrot eben Meerforelle…

Nachdem der Fisch im Rucksack verstaut war, schlich ich wieder ins Wasser um den nächsten Wurf an die vorherige Stelle zu machen.

Ich hatte den dritten Strip noch nicht begonnen, da gab es erneut einen kräftigen Ruck in der Schnur und vor mir schraubte sich eine schöne große goldbraune Fjord-Forelle aus dem Wasser.

Nach einigen rasanten Fluchten gelang mir auch hier die Handlandung und ich war überglücklich, den Fisch von 54 cm an Land versorgen zu können.

Damit war der Tag für mich bereits perfekt! Ich hatte spontan zwei wunderbare Fische erbeutet und sehnte bereits das leckere Abendbrot herbei – aber es war gerade erst 16:00 und ich hatte mir vorgenommen in die Dämmerung hinein zu fischen – weiter ging es also.

Ich stand wieder knietief im Wasser und machte erneut meine Würfe in den Bereich wo satte Tangfelder an der Kante zum tieferen Wasser wucherten.

Gerade als ich meinen Gedanken freien Lauf lassen wollte, wurde mir beinahe die Schnur aus der Hand gerissen und ruckartig verschwand sie in den Tiefen der Förde. Am anderen Ende tobte die nächste Forelle. Diesmal noch größer als die soeben gelandete und als der prächtige wohlkonditionierte Fisch um die 60 cm zum Sprung ansetzte, konnte ich deutlich den goldfarbenen, ausgiebig schwarz gepunkteten Körper erkennen, der sich mit enormer Kraft in der Luft hin und her schüttelte. Daraufhin flog mir auch schon der Kobberbassen entgegen…

Mit zittrigen Knien ordnete ich die Schnur und meine Gedanken, atmete tief durch und machte mehr aus Verlegenheit einen Schlenzer vor mich, gedanklich der großen Forelle folgend, die irgendwo in der trüben Tiefe verschwunden war…

Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet – und die Hornhechte waren mittlerweile vollkommen nebensächlich!

Am Spot waren anscheinend einige schöne Forellen unterwegs – und ich war dementsprechend Feuer und Flamme!

Ich fische also konzentriert weiter und bewegte mich einige Meter nach rechts. Ich stellte mir vor, wie der Kobberbassen kurz über dem Tang seine verführerischen Hüpfer vollzieht und gerade, als ich zum erneuten Wurf ausholen wollte wurde meine Schnur auch schon wieder in die Tiefe gerissen!

Ich sah wieder eine große goldene Flanke im trüben Wasser schimmern und mir war schnell klar, dass hier erneut ein toller Fisch am Haken war.

Adrenalin getränkt gelang mir auch dieses Mal die Handlandung und ich konnte überwältigt die nächste Forelle von 55 cm in meinem Rucksack verstauen.

Mehr geht nicht! Ich war überglücklich!
Blauer Himmel, Sonne pur, vor mir die malerische dänische Südsee und im Rucksack drei schöne Forellen, die das kommende Familientreffen und mein Abendessen kulinarisch bereichern sollten.

Was will man mehr!?
Ich setzte mich ein paar Minuten an den Strand und genoss den Augenblick.

Da ich das schöne Wetter auskosten wollte, begab ich mich aber schließlich zurück ins Wasser und an das vielversprechende Tang-Feld.

Plötzlich eine deutliche Bewegung einige Meter vor mir an der Oberfläche!

Dann ein großer buckelnder Fisch!

Ich war wieder auf 180 und beförderte meine Fliege sanft in den heißen Bereich. Nur wenige Strips später rummste es erneut gewaltig und ich spürte den kräftigen End-50er-Fisch in den flachen Bereich schießen. Der Fisch schüttelte sich wie wild im Flachen und mir schwante Böses. Nachdem die Forelle für kurze Zeit das Wasser zwischen dem Tang schaumig geschlagen hatte, war sie genauso plötzlich verschwunden wie sie gebissen hatte…

So viel Spannung hatte ich heute nun wirklich nicht erwartet! Meine Finger zitterten und ich war komplett im trout-Modus!

Ich fischte schnell weiter und nach zwei, drei zaghaften Bissen stieg doch glatt der nächste dicke Fisch ein. Diesmal war es ein knapp 50er silberner Fisch, der bei der Handlandung seine losen Schuppen verlor.

Was war hier nur los!?

Offensichtlich war ich auf einen großen Schwarm wirklich schöner Forellen gestoßen, die zudem auch noch in bester Beiss-Laune waren.

Nach einigen kraftvollen Anfassern stiegen dann tatsächlich auch noch Fisch 5, 6 und 7 ein. Bei diesen 4 letzten Fischen handelte es sich um kräftige dicke und knacksilberne Grönländer, die den Drill zu einem wahren Erlebnis machten!

Man sollte selbstverständlich auch an solchen Tagen ein gutes Maß für sich und eine nachhaltige Fischerei finden und nicht jeden gelandeten Fisch mitnehmen…

Letztendlich biss dann auch noch der eigentliche Zielfisch, ein wirklich kampfstarker Mitte 70er Hornhecht und der Tag war damit mehr als rund.

In der Dämmerung konnte ich dann noch einige springende und buckelnde Forellen beobachten, die dann aber anscheinend von dem nicht allzu weit entfernt raubenden Schweinswal verunsichert wurden und nicht mehr beissen wollten.

Als dann jeder zweite Wurf einen knapp untermaßigen Dorsch zu Tage beförderte, entschloss ich mich dazu, den Angeltag zu beenden.

Mir war schnell klar, dass mir dieser Tag noch lange in Erinnerung bleiben wird und ich trat mit einem dicken Grinsen im Gesicht den Heimweg an!

Euch allen viel Spaß am Wasser! Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es richtig knallt! 😉

 

Arne